Interview Wolfgang Weber
Woran erinnern Sie sich bei den früheren Hallenturnieren in der Berliner Deutschlandhalle?
Also ganz spontan habe ich sofort an unser Endspiel 1973 gegen Bayern München gedacht. In dem Spiel hat es eine unheimliche Brisanz gegeben. Beide Mannschaften wollten gewinnen und das Spiel war meiner Meinung nach sehr, sehr hart. Das will man eigentlich im Fußball und insbesondere im Hallenfußball eher nicht sehen. Aber die Brisanz zwischen Köln und Bayern war einfach da und wir hatten letztlich das gute Ende für uns.
Nun ist Bayern München diesmal nicht dabei. Stattdessen haben Sie aber andere Teams , mit denen Sie ja sicherlich einige Rivalitäten haben. Wie Leverkusen, Mönchengladbach und Hertha. Auf welchen Gegner freuen Sie sich als Kölner Urgestein am meisten?
Im Prinzip ist uns jeder Gegner recht. Wir freuen uns auf Hertha, wie freuen uns auf Mönchengladbach, auf Leverkusen. Welcher Verein auch immer gegen uns spielt, er ist herzlich willkommen. Aber wir werden natürlich auch versuchen, das Spiel zu gewinnen. Wir haben hier im Westen schon sehr oft in Endspielen gegen Gladbach gespielt. Ich glaube, Gladbach liegt noch ein bisschen vor uns. Und wenn wir dann in Berlin gegen die Borussia spielen sollten, werden wir versuchen das umzudrehen.
Jetzt sind Sie ja während Ihrer Karriere etliche Male zum Kicken nach Berlin gefahren. Was war immer das Schönste in Berlin? Worauf freuen Sie sich am meisten in Berlin?
Also in den Anfängen der Bundesliga war es ja so: Da haben wir uns eigentlich gefreut, dass wir nach Berlin fliegen durften. Und gerade damals war in Berlin immer was los, Hertha hatte immer die Kiste voll. Ich denke, es ist auch bekannt, dass bei einem Bundesligaspiel zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Köln die meisten Zuschauer, die jemals in einem deutschen Stadion waren, anwesend waren. Und das wird auch so bleiben. Weil es kein Stadion gibt, das mehr als 80.000 Zuschauer fast, in Dortmund. Aber wir hatten, glaube ich, 88.000 Zuschauer damals als Hertha uns 1:0 geschlagen hat. Ich weiß auch noch den Torschützen: Das war der Lorenz Horr. Der hat uns den Gnadenstoß versetzt.
Aber auch wenn Sie da verloren haben, sind Sie trotzdem gern nach Berlin gefahren?
Berlin ist immer eine Reise wert gewesen. Ich kann mich auch noch an ein Länderspiel gegen Frankreich erinnern, da haben wir die Franzosen 5:1 geschlagen. Bei dem Spiel war auch das Olympiastadion brechend voll, da sollten angeblich weit über 100.00 Zuschauer im Stadion gewesen sein. Wir haben da eine gute Leistung abgeliefert. Wenn die Sprache auf Berlin kommt, dann fallen mir viele schöne Geschichten ein. Ich kann es nur noch mal sagen: Berlin ist immer eine Reise wert.
Sie beobachten ja das Feld weiterhin: Wer weiter aktiv Fußball spielt. Jetzt haben bei dem Turnier alle Mannschaften ganz gute Truppen parat. Auf welchen Spieler, der dort antritt, freuen Sie sich denn am meisten?
Ja, es sind ja nun Spieler der jüngeren Generation. Aus unserer Mannschaft werden möglicherweise Matthias Scherz, Matthias Springer, Dirk Lottner und wir hoffen natürlich auch als besonderen Leckerbissen, den Thomas Haeßler nach Berlin zu bekommen. Und wir werden alle Arbeit daran setzen, dass er in Berlin dabei ist. Aber überhaupt freuen wir uns auf alle Spieler, die dort sind und mit uns ein schönes Fußballfest feiern wollen.
Der Thomas Haeßler ist ja eigentlich Berliner. Der müsste sich ja freuen.
Der Icke müsste heute schon mit den Hufen scharren, um in Berlin dabei zu sein, wie man so schön sagt. Aber wir werden alles daran setzen, um ihn zu überzeugen, nicht überreden, dass er in Berlin wieder seine Fußballkunst zeigt.
Jetzt gibt es ja nicht nur das Turnier, sondern auch die Players Party, das ist ja vielleicht auch für Icke Haessler oder den ein oder anderen Spieler ein Argument zu kommen. Freuen Sie sich auch auf dieses Event?
Ja, zunächst einmal glaube ich, dass sich alle auf das Turnier konzentrieren und alle Spieler auch eine gute Leistung abliefern wollen. Die Zuschauer möchten auch gerne technisch guten Fußball sehen. Ich hoffe, dass da nicht zu oft gegrätscht wird, sondern einfach Fußball gespielt wird. Und danach denke ich mal, sind wir alle wieder Freunde. Auch wenn wir vielleicht das ein oder andere Spiel nicht gewonnen haben. Aber bei der Players Party ist man dann wieder Freund.
Die Gladbacher reklamieren den Titelgewinn schon für sich. Die haben sich die Favoritenrolle selbst zugeschrieben. Wo sehen Sie den 1. FC Köln?
Das kommt hauptsächlich darauf an, welche Spieler wir an dem Tag dabei haben können. Und ich hoffe nicht, dass da viele im Urlaub sind. Ansonsten sehe ich uns auf einem sehr guten Platz, wenn nicht sogar auf einem Sieg.


